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Was ist FBT

FBT steht für "family based treatment".

Diese Methode zur Behandlung von Magersucht wurde in den 70er und frühen 80er Jahren am Maudsley Hospital in London entwickelt. Die Methode ist deshalb auch als Maudsley Methode (Maudsley approach) bekannt. In den USA wird die Methode vor allem von Prof. Daniel Le Grange und Dr. James Lock bis heute weiter entwickelt und erforscht. Mithilfe von FBT sind seit 30 Jahren weltweit schon unzählige Kindern gesundgeworden und Familien der Anorexie-Falle entkommen.

FBT ist in vielen vergleichenden Studien gut erforscht. Sie ist nachgewiesener Weise erfolgreichreicher als alle anderen bekannten Behandlungsmetoden bei Magersucht und Standardbehandlungsansatz in Großbritannien, USA, Kanada, Neuseeland und Australien.

FBT ist als Behandlungsansatz für junge Menschen bis 18 Jahre entwickelt worden. Aber auch bei jungen Erwachsenen im Altersspektrum bis 25 Jahre wird die Methode in abgewandelter Form erfolgreich angewendet.

Bei FBT geht es darum, stationäre Behandlungen, die in der Regel wenig erfolgsversprechend sind, zu vermeiden. Die Behandlung der Patienten erfolgt zuhause. Eltern werden geschult und befähigt, ihrem Kind aktiv helfen zu können, wieder ein gesundes Normalgewicht zu erlangen, dieses zu halten und nachhaltig gesunde Essgewohnheiten zu entwickeln.

Generell findet eine FBT Behandlung in drei Phasen statt, die sich über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren erstrecken:

In der ersten Phase, der sogenannten Refeeding-Phase, geht es vor allem um die Gewichtswiederherstellung. Die Eltern werden dabei unterstützt, die Gewichtszunahme ihres Kindes voranzutreiben.

Wenn ein gesundes Gewicht erreicht ist, sich der psychische Zustand des Patienten und die allgemeine Stimmung innerhalb der Familie signifikant verbessert hat, folgt die zweite Phase. Die altersgemäße Autonomie in allen Lebensbereichen wird wieder an den jungen Menschen zurückgegeben. Beim Essen selbst haben die Eltern noch kontrollierende und unterstützende Funktion, die über die Zeit abgebaut wird.

Erst in der dritten Phase werden therapeutisch Probleme angegangen, sofern diese noch bestehen. Bei vielen Patienten verschwinden alle psychischen Auffälligkeiten, die mit der Anorexieerkrankung einhergegangen sind.

FBT hat folgende grundlegende Prinzipien:

  • Die Eltern und die Familie sind nicht das Problem. Sie sind die Lösung. Die Eltern sind die größte Ressource des erkrankten Kindes. Niemand auf dieser Welt ist in der Lage, sich des aktuellen Problemes des Kindes mit derselben Ausdauer, Intensität und Liebe anzunehmen wie seine Eltern. Generell geht man bei FBT nicht davon aus, dass eine gestörte Familien Struktur oder pathologische Eltern-Kind-Beziehung vorherrscht. Eltern müssen deshalb dabei unterstützt werden, Experten für diese Krankheit zu werden.

  • Der wichtigste Faktor zu Beginn der Behandlung ist eine schnelle Wiederherstellung des Gewichts. Und zwar eine völlige Wiederherstellung des historisch gesunden Gewichts, das das Kind hatte, bevor die Krankheit in sein Leben kam. Bei den meisten jungen Menschen tritt mit steigendem Gewicht eine deutliche Verbesserung der psychischen Verfassung und der Stimmungslage ein. Stück für Stück kommt wieder das Kind zum Vorschein, das man kennt.

  • Der richtige Platz für einen erkrankten jungen Menschen ist keine Klinik, sondern sein Zuhause. Die beste Klinik, die es für seine spezielle Essstörung auf dieser Welt gibt. Mit dem besten, liebevollsten und konsequentesten Betreuungsteam das es gibt: seinen Eltern. Junge Menschen aus ihrer Lebensmitte und aus ihrer Familie herauszureißen führt zu Traumatisierung, behindert den Gesundungsprozeß und ist zu vermeiden. Erkrankte Kinder und Jugendliche eignen sich im häuslichen und realen Umfeld zudem viel einfacher wieder gesunde und normale Essgewohnheiten an. Sollte das Gewicht aber bereits zu niedrig sein, der körperliche Zustand zu schlecht sein oder schwerwiegende weitere Erkrankungen vorhanden sein, so kann ein Klinikaufenthalt unumgänglich sein.

  • Es ist notwenig, dass die Eltern für eine begrenzte Zeit die komplette Autonomie über kritische Lebensbereiche wie Essen und Bewegung übernehmen. Das Kind isst nicht, weil es nicht will, sondern weil es nicht kann. Es hat sich diese Krankheit nicht ausgesucht. Die Krankheit hat sich das Kind ausgesucht. Es braucht jetzt keine zusätzlich übertragene Verantwortung für das eigene Essverhalten, die es in seinem jetzigen Zustand nicht bewältigen kann. Es benötigt keine psychotherapeutischen Gespräche über Kalorien, Nährwerte und Stoffwechsel. Es benötigt nicht die Suche nach Ursachen, die es in den allermeisten Fällen nicht gibt. Es benötigt praktische und handfeste intensive Hilfe. Jetzt.

  • Ein erkranktes Kind benötigt in seiner Situation kompetente Eltern, die wissen, wie sie es ihrem Kind wieder ermöglichen, essen zu können. Essen und Lebensmittel, Körpergewicht, Aussehen. Alles das ist hochgradig angstbesetzt für anorektische junge Menschen. Was der junge Mensch erlebt, sind Panikattacken und Angstzustände, wenn er vor dem Essen sitzt. Im fortschreitenden Verlauf der Erkrankung werden immer mehr Lebensmittel immer stärker angstbesetzt. Diese oft tödliche Spirale gilt es zu durchbrechen. Der Abbau der sogenannten Fear Foods ist essentieller Bestandteil einer Behandlung.

  • FBT fragt nicht nach der individuellen Genese der Erkrankung und stellt auch keine Schuldfrage. Für einen Genesungsprozeß ist dies nicht relevant. Neuere Forschungsergebnisse zeigen auch, dass biologische, genetische und neurologische Faktoren bei der Erkrankung eine viel größere Rolle spielen, als man sich das früher vorstellen konnte. Viele, viele an Magersucht erkrankte Kinder kommen aus völlig normalen und glücklichen Familien, über die die Erkrankung wie eine Naturgewalt hereinbricht.

  • Eltern müssen lernen, Ihr Kind von der Krankheit zu trennen. Das sogenannte Externalisieren der Krankheit ist eine zentrale Komponente von FBT: Es bedeutet, dass der junge Mensch nicht für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden darf. Die Erkenntnis und das Wissen darum, dass nicht das Kind verantwortlich für die Krankheit ist, sondern dass die Krankheit das Kind kontrolliert, hilft den meisten Eltern sehr schnell besser mit der Situation umgehen zu können. 

  • Eltern müssen befähigt werden, diese extrem belastende Zeit gut zu durchstehen. Die Erhaltung der psychischen Gesundheit und Leistugsfähigkeit der Eltern ist ebenfalls ein Grundpfeiler der Behandlung. Ebenso müssen Eltern lernen, gemeinsam gegen die Krankheit vorzugehen. Anorexie hat auch die Tendenz Beziehungen zu zertören. Sowohl durch die extreme psychische Belastung, der das Familiengefüge ausgesetzt ist, als auch durch gegenseitige (oft sehr unterschwellige) Schuldzuweisungen. Anorexie spaltet, auch Beziehungen.


Es ist keine Frage: FBT verlangt den Eltern und der ganzen Familie viel ab. FBT ist eine Behandlungsmethode, die ausdrücklich kein Einverständnis des Patienten erfordert. Vor allem zu Beginn der Behandlung stehen die jungen Patienten den neuen Maßnahmen oft mit sehr viel Aggression und Ablehnung entgegen, was für Eltern nur sehr schwer auszuhalten ist. Eine durchgehende Betreuung und Pflege des Kindes ist notwendig. Schädigende Verhaltensweisen wie übermäßiger Bewegungsdrang, selbstverletzendes Verhalten und Erbrechen müssen unterbunden werden.

Meist bleibt deshalb ein Elternteil des Kindes für einen längeren Zeitraum zu Hause um diese große Aufgabe gewährleisten zu können.

Es gibt nicht "die" FBT Behandlung nach Schema F. Jede Familie, jedes Kind ist anders. Jede Familie muss ihren eigenen individuellen Weg finden. Aber nicht jeder muss das Rad neu erfinden. Es gibt viele erprobte Methoden, die vielen Familien geholfen haben. Man kann von den Erfahrungen anderer Eltern lernen und Inspiration für den eigenen Weg erhalten.

 

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